Studentin auf Treppe

Vernetzte Hochschulen: Digitalisierung von Studium, Lehre und Forschung in Nordrhein-Westfalen

Die landesweite Digitalisierungsoffensive fördert hochschulübergreifende innovative Vorhaben mit Synergieeffekten.

Perspektiven für die Hochschullandschaft in Nordrhein-Westfalen

Um entscheidende Impulse bei der Digitalisierung zu setzen, hat die Landesregierung gemeinsam mit den Hochschulen die Digitale Hochschule NRW (DH.NRW) ins Leben gerufen, ein kooperativer Zusammenschluss von 42 Hochschulen mit dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft. Kernanliegen dieses Zusammenschlusses sind gute Studienmöglichkeiten und die Verbesserung der Studienqualität. Die Autonomie der Hochschulen und die eigenständige Umsetzung der Projekte waren und sind für das Land von besonderer Bedeutung. Hierfür erhalten die Hochschulen im Zeitraum von 2019 bis 2021 jährlich 50 Millionen Euro - vor allem für den grundlegenden Aufbau einer digitalen Infrastruktur. Für die dauerhafte Finanzierung der gemeinsamen digitalen Dienste und für neue Projekte stellt das Land den Hochschulen ab 2022 jährlich 35 Millionen Euro zur Verfügung.

Grundsätzliches Ziel der landesweiten Digitalisierungsoffensive ist, hochschulübergreifende innovative Vorhaben mit Synergieeffekten zu fördern, die möglichst für alle Hochschulen in Nordrhein-Westfalen Zugang zu gemeinsamen digitalen Serviceleistungen und Infrastrukturen ermöglichen. Auch in Zukunft wird die Landesregierung Rahmenbedingungen schaffen, mit denen Forschung, Studium und Lehre in Nordrhein-Westfalen durch digitale Entwicklung und Vernetzung weiter gestärkt werden. Die Vision ist ein vernetzter Wissenschaftsstandort – vor Ort und im Digitalen!

Corona-Digitalisierungsoffensive

Die Corona-Pandemie hat die Hochschulen und Studierenden vor große Herausforderungen gestellt. Um sie in dieser Situation zu unterstützen, hat das Land Nordrhein-Westfalen insgesamt 60 Millionen Euro bereitgestellt. Im Jahr 2020 gab es zunächst die Corona - Soforthilfe zur schnelleren Digitalisierung in Höhe von 20 Millionen Euro. Damit die Studierenden in der Corona-Pandemie weiterhin gute Studienbedingungen haben, werden zudem bis 2023 insgesamt 40 Millionen Euro für E-Book-Lizenzen eingesetzt. Mit diesem Schritt wird die Zahl der elektronisch verfügbaren Bücher und Lerninhalte in den Hochschulbibliotheken enorm gesteigert.

Welche Vorteile bietet die Digitalisierungsstrategie Studierenden und Lehrenden?

  • Erleichterte Immatrikulation: Studierende können sich an allen Hochschulen in Nordrhein-Westfalen komplett digital fürs Studium einschreiben
  • Große landesweite und hochschulübergreifende Lernplattform mit Videostreaming-Angebot
  • Landesweit vergleichbare Online-Self-Assessment-Tests und passende Onlinekurse für die Studieneingangsphase
  • Digitale Lehr- und Lernangebote zur Ergänzung der Präsenzlehre
  • Hochschulangebote orts- und zeitunabhängig nutzbar
  • Erwerb von Medien- und Datenkompetenzen
  • Anerkennung von Online-Kursen an verschiedenen Hochschulen
  • Vernetzung und Wissensaustausch durch Zusammenarbeit zwischen Lehrenden der unterschiedlichen Hochschulen
  • Einfacher, medienbruchfreier Zugriff auf Lehr- und Lernmaterialien (Open Educational Resources)
  • Rechtsberatung z.B. zum Thema Lizenzen und Onlineprüfungen
  • Unterstützung bei der Entwicklung von komplexen hochschulübergreifenden E-Learning-Angeboten

Digitalisierung von Studium und Lehre

Vom Videostreaming von Vorlesungen über Community-Plattformen für den Wissensaustausch bis hin zur Vermittlung Digitaler Kompetenzen: Die Digitalisierung und Vernetzung der Hochschullandschaft ist das Ziel der Digitalen Hochschule NRW, von dem Studierende und Lehrende gleichermaßen profitieren sollen.
 

ORCA.nrw: Landesportal für Studium und Lehre

Im Jahr 2021 ist ein nächster wichtiger Meilenstein erreicht worden: Das Landesportal ORCA.nrw (Open Resources Campus NRW) ist an den Start gegangen. ORCA.nrw steht im Zentrum der Digitalisierungsstrategie im Bereich Studium und Lehre, da hiermit die Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen untereinander entscheidend weiterentwickelt wird. Bis 2023 stellt das Land insgesamt mehr als sieben Millionen Euro für den Auf-und Ausbau des Portals zur Verfügung. Auf dem Portal werden digitale Lehr- und Lernmaterialien für Lehrende und Studierende sowie Informationen und Services rund um das Thema digital gestützte Lehre bereitgestellt. ORCA.nrw ist mehr als eine Webpräsenz, es ist ein Netzwerk: Dahinter stehen Lehrende, Hochschulvertreterinnen und -vertreter sowie Expertinnen und Experten, die die Entwicklung von Lehr- und Lernszenarien in einer digital geprägten Welt fördern und umsetzen.

Bestandteil des Landesportals ORCA.nrw ist u. a. der landesweite Streamingdienst educast.nrw, der an der Universität Münster angedockt ist. Ziel von educast.nrw ist der Aufbau eines landesweiten Service zur Bereitstellung von Videocontent für den Einsatz in Studium und Lehre. Mit der Förderlinie OERContent.nrw (Open Educational Resources) fördert das Land Nordrhein-Westfalen zudem die hochschulübergreifende Zusammenarbeit bei E-LearningFormaten, wie zum Beispiel Online-Kursen, Lern-Videos oder virtuellen Laboren. Diese hochschulübergreifenden Projekte können in ORCA.nrw eingestellt werden. 

Grafik Orca

[Infografik zu ORCA.NRW und dazugehörigen Programmen; Quelle: Geschäftsstelle ORCA.nrw]

*Konsortialführend / Teilprojektleitung: Ruhr-Universität Bochum – FH Aachen – Universität Münster – FH Dortmund – Universität Siegen – Hochschulbibliothekszentrum Köln.

Online-Immatrikulation

Lange war an den Hochschulen in Nordrhein-Westfalen keine medienbruchfreie digitale Immatrikulation möglich. Das ändert sich!

Ab dem Wintersemester 2021/2022 sollen alle öffentlich-rechtlichen Universitäten und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften Studieninteressierten die Möglichkeit bieten, sich für Bachelor-Studiengänge und Studiengänge mit Staatsexamen ohne Medienbruch online zu bewerben. Bis Ende 2022 soll dies auch für alle MasterStudiengänge und für die Studiengänge der Kunst- und Musikhochschulen eingerichtet werden. Die Hochschulen entwickeln zusammen mit den Herstellern der CampusManagement-Systeme die Voraussetzungen dafür, dass eine medienbruchfreie Online-Immatrikulation angeboten wird. Hierzu haben sie sich bundesweit im Projekt „XHochschule“ zusammengeschlossen.

Digitale Kompetenzen

Digitale Fähigkeiten, statistische Kompetenzen und der Umgang mit der digitalen Analyse großer Datenmengen sowie die kritische Beurteilung der Ergebnisse stellen disziplinübergreifend eine neue Querschnittskompetenz dar. Die Hochschulen stehen vor der Herausforderung, neben der fachlichen Ausbildung künftig auch systematisch den Erwerb von Datenkompetenzen curricular zu verankern und zu vermitteln. An den Hochschulen sollen die Studierenden unter anderem die Fähigkeiten erlernen, mit denen sie Potenziale und Auswirkungen der Digitalisierung auf Forschung, Gesellschaft und Arbeitswelt beurteilen und Digitalisierungsprozesse aktiv mitgestalten können. Inhalte des Studiums können neben Informationsrecherche und -bewertung auch rechtliche Grundlagen, wie zum Beispiel Urheber- und Nutzungsrechte sein. Die Landesregierung unterstützt die Hochschulen bei diesem Prozess mit unterschiedlichen Förderprogrammen, wie digi-komp.nrw oderData Literacy Education NRW“.

Gemeinsame Informationssicherheit

Die zunehmende Digitalisierung an den Hochschulen erhöht auch die Gefahr von Cyberattacken. Bei der Abwehr solcher Angriffe sind der Austausch der Hochschulen untereinander und die Vernetzung mit den entsprechenden Einrichtungen für Sicherheit in der Informationstechnik wichtig. Für die Implementierung von entsprechenden Sicherheitskonzepten schließen sich die Hochschulen in der DH.NRW zusammen und lösen die Aufgaben in einem gemeinsamen Netzwerk.

Um Hackerangriffe noch besser abwehren zu können, werden auch die Universitätskliniken als Teil der jeweiligen Hochschuleinrichtung ihre Informationssicherheitsmanagementsysteme weiter verbessern. Seit 2018 unterstützt die Landesregierung die Universitätskliniken bei dieser wichtigen Aufgabe mit zusätzlichen Mitteln für IT-Investitionen in Höhe von 12 Millionen Euro jährlich, ab 2021 sind es 15 Millionen Euro. Zudem wurden den Universitätskliniken im Jahr 2020 60 Millionen Euro aus Konjunkturpaketmitteln des Landes für IT-Investitionen zur Verfügung gestellt.

Die Landesregierung fördert Studiengänge zur Cybersicherheit mit sechs Millionen Euro. An der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und der Hochschule Niederrhein sind beispielsweise zum Wintersemester 2020/2021 die ersten Studiengänge zu den Themen Cybersicherheit, Cyberkriminalität und Digitale Transformation im Rahmen des PilotprojektesCyber-Campus Nordrhein-Westfalen gestartet. Hier werden nun dringend benötigte Fachkräfte für die IT-Sicherheit im regionalen Umfeld ausgebildet.